Machtkämpfe – offen oder verdeckt – gehören zum Alltag jedes Managers. Sie bestimmen oft die Gespräche auf den Fluren der Unternehmen. Kann man sich dem entziehen?
Kategorie: Human Resources
Text: Albrecht von Bonin, 11. April 2012
Gewiss sind wir uns einig: Die Gefahr, der Verführung durch die Macht zu erliegen, besteht. Keiner ist gänzlich dagegen gefeit. Macht in ihrem despotischen Sinne wird meist von denen geschätzt, die selber nichts Bedeutendes zu Stande gebracht haben, die sich klein vorkommen. Ihr Minderwertigkeitskomplex wurzelt in dem beunruhigenden Wissen, lange nicht so stark zu sein, wie es ihre Position verlangt. Oft erkennt man sie an ihrem Vokabular: Es werden Blockaden errichtet, Grenzen gezogen, man lässt Köpfe rollen, gerät auf das Abstellgleis, geht in Deckung oder in die Offensive, sucht Rückendeckung, lässt Bomben platzen und kämpft um die eigene Position. Es geht um Sein oder Nichtsein. Das hat nichts mit Spiel zu tun. Das ist die Sprache der Macht.
Die Sprache der Macht ist militant. Sie spiegelt wider, was der Mensch tagtäglich erlebt. Manager gebrauchen immer wieder Formulierungen, die an Kampf, Gewalt und Krieg erinnern: Ihr Stellvertreter sollte vielleicht mehr »seine Ellenbogen einsetzen«, der Kollege klagt darüber, dass Sie ihm im letzten Meeting »in den Rücken gefallen« seien, die Geschäftsleitung will, dass Sie den intriganten Müller »endlich abschießen«. Der Vorstand »bläst zur neuen Qualitätsoffensive«. Und wenn Sie sich an das vergangene Meeting erinnern, dort haben sich die beiden Geschäftsführer vor den Augen aller »bis aufs Messer bekriegt«. Stimmt’s?
Machtkämpfe resultieren meist aus dramatischen Veränderungspro-zessen. Im Unternehmen werden Routinen und Regeln verändert und neue entwickelt beziehungsweise neue Positionen besetzt. So bieten sich Reorganisationen als »natürliches Schlachtfeld« an. Es geht um Rivalität und Machtverlust. Abstieg, sogar Jobverlust droht, wenn eine Führungsebene wegfällt. Auch Fusionen führen dazu, dass es für wichtige Schlüsselpositionen plötzlich nur noch einen Stelleninhaber gibt. Hier startet der Kampf ums Überleben zwischen Gleichgestellten: Wer spielt künftig eine tragende Rolle, wer nicht? Bei Nachfolgeregelungen sind meist interne und externe Kandidaten im Rennen, die sich Hoffnungen machen, ihren Platz zu finden, und sich entsprechend vermarkten müssen. Dann werden die Karten neu gemischt. Die Neuen verdrängen die Alten.
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