In der Nacht zum Montag wurde das neu eröffnete Bio-Hotel Almodóvar an der Boxhagener Straße Ecke Holteistraße im Berliner Stadtteil Friedrichshain attackiert. Die Täter warfen Scheiben ein und kippten Eimer mit Teer gegen Fenster und Hauswände.
Kategorie: News
Text: Top hotel, 17. Juli 2012
Mitarbeiter des Hotels, die die Attacke von circa acht Vermummten beobachtet hatten, sind erschüttert. "Die wollten sogar in das Gebäude hinein, um alles zu zerstören", sagt eine Mitarbeiterin. Der Angriff mit Vorschlaghammer, Feuerlöschern und Farbeimern habe nur wenige Minuten gedauert. Circa 40 Quatratmeter des Gebäudes wurden beschmiert. „Es war ein Geräusch wie mehrere Explosionen gleichzeitig. Unsere Mitarbeiter dachten, Krieg sei ausgebrochen“, sagt Alexandra Müller-Benz, Chefin des Almodóvar Hotels. „Durch ein angekipptes Fenster wurde auch ein Eimer mit Teer in die Lobby gekippt“, so die Chefin.
Am Tag danach wird das Ausmaß der Zerstörung erkennbar: die helle Fassade des Hauses mit den künstlerisch gestalteten Graffiti-Porträts ist verschmiert, Fenster gingen zu Bruch, die Eingangstür ist beschädigt, ebenso wie 15 Fahrräder, die am Haus abgestellt waren.
Wer die Attacke verübt hat, ist noch unklar. Die Polizei geht von einer Tat mit politischem Hintergrund aus, weswegen der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen hat. Dass die Tat von Gentrifizierungsgegnern begangen wurde, wird nicht ausgeschlossen.
Die Eigentümer, Axel Benz und seine Ehefrau, wollten mit dem Haus und vegetarischer Küche mit Produkten aus der Region, sowie Strom aus regenerativen Quellen etwas ganz Besonderes im Friedrichshainer Kiez schaffen. Das Haus hat 60 Zimmer, vier Suiten, zwei Appartements und eine Penthousesuite. Im Herbst wird der Wellnessbereich eröffnet. Scheinbar stieß dieses Konzept nicht nur auf Gegenliebe. Die jetzigen Verwüstungen nennt Axel Benz nach zwei Jahren harter Arbeit "existenzbedrohend". Des Weiteren versteht er nicht, wieso nicht nur das Hotel, sondern auch das Aus- und Weiterbildungszentrum "campus Naturalis Akademien" für angehende und praktizierende Physiotherapeuten und Heilpraktiker Ziel des Anschlags geworden ist.
Eine Erklärung für den Überfall hat der Hotelbesitzer nicht. Er kann nur vermuten. Für den Bau des Hotels wurden einige Pappeln gefällt, was kurzzeitig Diskussionsgegenstand in der Nachbarschaft war. Doch die Pappeln waren krank und konnten nicht stehen bleiben. Außerdem wurden für die Bäume in Zusammenarbeit mit der Stadt Ersatzpflanzungen angelegt.
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